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Entscheidungen, die dich ausbremsen

Und warum du dennoch an ihnen festhältst
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Vielleicht geht es dir ähnlich: Du arbeitest viele, viele Stunden am Tag, bist morgens regelmäßig einer der ersten im Büro und wenn die anderen bereits in den wohlverdienten Feierabend gehen, fängst du gerade eine neue Aufgabe an. Mittagspause machst du nur, wenn du etwas Dringendes zu erledigen hast. Wenn du dich dann endlich von deinem Arbeitsplatz losgerissen hast, geht es weiter: Der Kühlschrank ist leer, du gehst also einkaufen, dann hast du einen wichtigen Termin und zu Hause warten Post und E-Mails auf dich, die es zu beantworten gilt. Zwischendurch flattert noch eine kurze Nachricht des Chefs rein. Außerdem hast du dich in den letzten Wochen rar gemacht und wenn du nicht möchtest, dass deine Freunde sich ernsthaft vor den Kopf gestoßen fühlen, ist der Kneipengang am Abend eigentlich unumgänglich. Und auch deine Großtante hat sich schon über dich beschwert, denn seit Weihnachten hat sie nichts mehr von dir gehört. Du bist eben ziemlich beschäftigt.

Aber wenn dich jemand fragt, was genau du eigentlich so viel zu tun hast, musst du selbst erst einmal überlegen und manchmal fragst du dich, was du überhaupt den ganzen Tag über gemacht hast, um so beschäftigt zu sein, denn so viel war es, jetzt, wo du einen gründlicheren Blick drauf wirfst, nun doch nicht. Das passt auch zu dem Gefühl, dass du häufig nach deinen intensiven Arbeitstagen hast: Irgendwie fühlst du dich unproduktiv, obwohl du immer gut zu tun hast und manchmal sogar in einem Meer der Aufgaben versinkst.

Du bist damit nicht allein. Die meisten Menschen neigen dazu, entgegen ihrer eigentlichen Interessen zu priorisieren. Die wirklich wichtigen Aufgaben schieben sie häufig vor sich her und befassen sich stattdessen mit weniger bedeutungsvollen. Das ist nicht auf den Job begrenzt, sondern zieht sich durchs gesamte Leben. Statt weiter an der umfangreichen Präsentation für deinen Kunden zu arbeiten, arbeitest du lieber dein Postfach ab. Die Schmerzen in der Schulter werden zwar immer stärker, aber richtig Zeit für einen Arztbesuch hast du gerade nicht, also wird dieser auf den nächsten Monat verschoben. Oder auf den übernächsten. Deine Karriere verläuft nicht so, wie du es dir vorgestellt hast, aber nach zahlreichen Stunden im Büro will zuerst deine Küche geputzt werden und dann legst du lieber die Füße hoch und telefonierst mit einer Freundin oder einem Freund. Dein Karriereplan verstaubt dabei unbesehen in der Schreibtischschublade. Es ist nicht so, als ob du nicht wüsstest, dass diese wichtigen Aufgaben wichtige Aufgaben sind, die du unbedingt angehen solltest, und du nimmst es dir auch vor – aber du schiebst sie dann doch nur wieder auf.

Es ist gar nicht so leicht zu erklären, warum wir ständig Entscheidungen treffen, die unseren eigentlichen Plänen abträglich sind. Wenn wir uns wieder etwas fitter fühlen wollen, warum setzen wir uns lieber vor den Fernseher als zum Sport zu gehen? Und warum kaufen wir uns wieder neue Schuhe, obwohl wir doch für den Urlaub sparen wollten? Wir stellen dir heute die häufigsten Gründe vor, die dich die langfristigen Ziele aus den Augen verlieren lassen, und was du dagegen tun kannst.

1. Du nutzt deine Arbeitszeit nicht optimal

Es gibt sie, die Menschen, die erst richtig in Fahrt kommen, wenn die Sonne längst untergegangen und die Geisterstunde vorbei ist. Während der Großteil der anderen Menschen schläft, kommen ihnen die besten Ideen und sie arbeiten mühelos Berge von Arbeit ab. Die meisten Menschen haben ihre produktive Phase jedoch morgens. Und gerade diese Zeit nutzen wir häufig zum Kaffeekochen, checken E-Mails, schauen bei Facebook vorbei oder halten einen Plausch in der Küche. Erst einmal in den Arbeitstag reinfinden und bloß nicht gleich von null auf hundert durchstarten.

Dabei wäre das weitaus sinnvoller. Wenn am Nachmittag der Kopf raucht und das Denken langsam wie ein zäher Gang durch Treibsand wird, ist immer noch genug Zeit für E-Mails oder ein ausführlicheres Gespräch mit den lieben Kolleginnen und Kollegen. Den Morgen solltest du dir für die Aufgaben bereithalten, die eine hohe kognitive und mentale Leistung von dir verlangen. Wenn du also komplexe Projekte planen musst oder die Quartalsrechnung fertigstellen, mach das in der ersten Arbeitshälfte.

2. Du liebst Tätigkeiten, die dir das Gefühl geben, etwas abgeschlossen zu haben

Viele große Aufgaben und Projekte bedeuten einen langwierigen Prozess, der über mehrere Tage, Wochen oder Monate andauern kann. Und nicht selten gibt dir die Arbeit an ihnen das Gefühl, vom Ziel noch unendlich weit weg zu sein. Klar, du kommst voran, aber etwas „Fertiges“, etwas, das du abgeschlossen hast, hast du nicht vorzuweisen. Wenn du hingegen eine Handvoll E-Mails beantwortet hast, kannst du sagen, das Thema E-Mails für den heutigen Tag erledigt zu haben. Du bist dem Ziel nicht nur näher gekommen, du hast es auch erreicht, auch wenn du im Prinzip weißt, dass es keine hohe Priorität für dich haben sollte. Immerhin ist es ein Haken auf deiner To-Do-Liste.

Es ist durchaus ein gutes Gefühl, eine erledigte Aufgabe abzuhaken oder durchzustreichen, warum solltest du darauf verzichten? Allerdings musst du das auch gar nicht. Doch statt des Punktes „E-Mails gecheckt“ solltest du lieber dein großes Projekt in kleine Zwischenschritte zerlegen. Das geht einfacher, als du denkst. Du bist dir bei einer Idee noch nicht sicher? Statt deine Gedanken dazu aufzuschieben, mach dir einfach eine Pro- und Contra-Liste, die du dir auch als Aufgabe auf deiner To-Do-Liste notierst. Wenn du sie erledigt hast, kannst du sie durchstreichen. Und so hast du das gute Gefühl der erledigten Aufgabe und bist gleichzeitig deinem eigentlichen Ziel ein Schritt näher gekommen.

3. Du wartest auf den Kuss der Muse

Nicht nur an der Bushaltestelle oder beim Arzt im Wartezimmer verbringst du viel Zeit mit Warten, auch am Arbeitsplatz wartest du viel. Auf eine Mail, eine Bestätigung oder auf eine Idee. Aber irgendwie ist die Muse wieder einmal unterwegs und küsst alle, nur nicht dich. Also sitzt du an deinem Schreibtisch, kaust auf dem Bleistift, träumst vor dich hin oder checkst die neuen Statusmeldungen deiner Facebook-Freunde. Mittags bist du zum Essen verabredet und auch der Nachmittag geht schnell rum. Morgen ist zum Glück auch noch ein Tag und vielleicht schaut die Muse dann bei dir vorbei.

Sicher gibt es die Ideen, die dir einfach so in den Kopf schießen. Viele große Werke und Erfindungen der Menschheitsgeschichte haben so ihren Ursprung genommen. Aber längst nicht alle. Und nur in Ausnahmefällen kommt es zu einer wahren Erleuchtung. Nicht selten ist es die Grundidee, die einem in den Sinn kommt – bis sie völlig ausgearbeitet ist, dauert es aber meist noch lange. Wartest du darauf, dass dir der nächste Geistesblitz kommt, bleibt es nicht selten bei einer guten Idee. Wenn du sie jedoch umsetzen möchtest, darfst du nicht warten. Du musst dich selbst auf die Suche nach der Inspiration machen. Mach dir einen Plan, schreib dir spontan auf, was dir in den Sinn kommt, tausch dich mit anderen aus. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Nur eins darfst du nicht tun: Warten.

4. Du prokrastinierst

Es ist fast schon ein Naturgesetz. Sobald du dich daran machst, die wirklich wichtigen Aufgaben in Angriff zu nehmen, springen dir Dinge ins Auge, die dir bisher nicht aufgefallen sind. Dein Schreibtisch ist unheimlich unaufgeräumt, das Geschirr in der Küche türmt sich mittlerweile und deine nette Kollegin wollte dir doch noch die Bilder von ihrem kleinen Hund zeigen. Außerdem ist dir bisher nie aufgefallen, wie schön der Vogel vor deinem Bürofenster singt. Und was ist das eigentlich für ein Vogel? Eine Amsel? Ein Rotkehlchen? Oder doch eher ein Goldfink? Dann fängt auch noch dein Magen an zu knurren. Nicht laut, aber doch ein bisschen. Vielleicht solltest du lieber jetzt was essen, bevor du dich sofort an die Arbeit machst und sie eine halbe Stunde später wieder unterbrichst, um in die Küche zu gehen.

Einige Menschen haben es zu wahren Meistern der Prokrastination gebracht und sie betreiben einen erstaunlichen Aufwand, um sich von der eigentlichen Arbeit abzuhalten. Mach dir immer klar, dass du damit mehr Zeit verlierst als du gewinnst. Wenn dich dein zugemüllter Schreibtisch stört, räum ihn auf, aber sorg dafür, dass er auch so bleibt. Und musst du ihn wirklich sofort aufräumen? Oder reicht es, wenn du dieses Projekt erst am Nachmittag in Angriff nimmst, wenn du dich sowieso kreativ ausgelaugt fühlst? Stelle sicher, dass du deine Prioritäten einhältst. Arbeite immer erst an einem deiner wichtigen Projekte – danach kannst du dich um die Alltäglichkeiten kümmern.

5. Du merkst nicht, dass du die falschen Dinge wählst

Manchmal führt kein Weg daran vorbei, dich erst mit Dingen zu beschäftigen, die dich von deinen eigentlichen Projekten abhalten, wenn dein Vorgesetzter dich beispielsweise um eine Erledigung bittet oder sich die Meetings in der Woche wie Autos zur Hauptverkehrszeit aneinanderreihen. Sie nehmen auch den größten Platz in deinem Terminkalender ein, für dein großes Projekt markierst du dir hingegen selten Zeit. Aber auch die nicht markierte Zeit im Kalender ist nicht verloren. Die Zeit zwischen dem Morgemeeting und dem am Nachmittag ist zwar auf dem ersten Blick freie Zeit. Aber es ist auch die Zeit, die für dein großes Projekt zur Verfügung steht. Wenn du also bereits morgens und nachmittags ein Meeting hast, dann plane nicht noch eins am Mittag ein, weil noch drei freie Stunden im Kalender stehen. Hebe dir genug der freien Zeit für deine Arbeit an deinem wichtigen Projekt auf.

6. Du lässt die Liste zu lang werden

Als du deine To-Do-Liste gestern kurz vor Feierabend fertig gestellt hast, kam sie dir gar nicht so lang vor. Seitdem sind dir noch drei, vier weitere Punkte eingefallen, die du unbedingt noch abarbeiten solltest und als du am Morgen ins Büro kamst, lag dort eine Notiz mit noch mehr Aufgaben. Und schnell ist die Liste gleich doppelt so lang.

Auch du selbst hast einen Anteil daran. Je mehr kleine Punkte du hast, desto mehr kannst du auch abhaken und desto besser fühlt es sich für dich an. Daran ist auch nichts verkehrt. Aber halte dabei immer im Blick, dass du dir die Liste nicht überlädst und am Ende des Tages mit einer Liste dastehst, von der du nicht einmal die Hälfte erledigt hast. Denn so stellt sich schnell das Gefühl ein, eigentlich nichts gebacken bekommen zu haben. Außerdem solltest du, bei all der Freude am Abhaken, natürlich auch nicht mehr Zeit mit der Liste verbringen als mit deinen eigentlichen Aufgaben. Hier ist es wichtig, die richtige Balance zu finden.

Tags: Erfolg + Traumjob + Karriere + Arbeitsplatz