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Wie wichtig ist Change?

Ijla Grzeskowitz im Interview
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Warum ist das Thema Veränderung in der heutigen Zeit so wichtig?

Ganz einfach, weil die Welt sich so schnell und intensiv wandelt wie noch nie zuvor in der Geschichte. Wir wissen aus ganz, ganz vielen Studien, dass sich in den letzten zehn Jahren mehr verändert hat als in den letzten 150 – 200 Jahren davor und die Taktung wird immer schneller. Der Verlauf ist nicht mehr linear, so wie früher, sondern exponentiell. Das heißt, um uns herum wird die Welt immer komplexer und damit unberechenbarer. Und es wird immer unsicherer, wenn wir in die Zukunft schauen. Gerade für Menschen, die am Anfang ihrer Karriere stehen, ist es wichtig, so flexibel wie möglich auf diese Entwicklungen reagieren zu können. Es ist eine meiner Hauptthesen, dass der persönliche Umgang mit Veränderungen die wichtigste Schlüsselkompetenz der Zukunft sein wird.
Ich glaube, dass Studenten und Absolventen vor besonderen Herausforderungen stehen, wenn es um das Thema Veränderung geht. Eine der größten Veränderungen, die wir gerade beobachten, ist das Thema Arbeitsmarkt. Gerade der Arbeitsmarkt verändert sich so massiv und man weiß heute, dass in spätestens fünf bis zehn Jahren, Millionen von Jobs, die es heute noch gibt, nicht mehr geben wird. Stattdessen werden genauso viele, wenn nicht sogar mehr, neue Tätigkeiten hinzukommen. Das heißt, da verändert sich unwahrscheinlich viel.
Gerade in Zeiten, in denen wir von Digitalisierung und disruptiven Technologien sprechen, merken wir, dass der Erfolgsfaktor Mensch immer wichtiger wird. Die Unternehmen begreifen, obwohl wir immer technischer werden, dass die wirklich wichtigen Faktoren die Menschen sind. Daher sind Studenten sehr gut beraten, sich auf diese neuen Gegebenheiten einzustellen und jetzt die Weichen für ihre zukünftige Karriere zu stellen, die dann in fünf oder zehn Jahren aktuell wird. Bereits jetzt sich möglichst breit aufstellen. Bereits jetzt in das eigene Business zu investieren und bereits jetzt zu gucken, wie könnte die Branche, in der ich einmal tätig sein möchte, sich entwickeln. Was muss ich heute noch lernen, um auch in Zukunft erfolgreich sein zu können? Das heißt, Studenten haben es auf der einen Seite schwerer. Auf der anderen Seite aber auch einfacher, weil wir einen zweiten großen Trend haben, nämlich den Fachkräftemangel. Unternehmen lechzen nach gut ausgebildeten, jungen, tatkräftigen Leuten und wenn man das weiß und jetzt im Studium ein wenig Gas gibt, stehen einem sämtliche Türen in der Zukunft offen und das muss man verstehen, um dann die entsprechenden Schritte gehen zu können.

Flexibilität ist also eines der Schlüsselwörter?

Ja, es ist eine Mischung aus zwei Sachen. Wir brauchen eine gewisse Stabilität in unserer Persönlichkeit und damit meine ich vor allem stabile Werte, auf die wir aufbauen können, Prinzipien, die für uns gelten. Das sind quasi die Wurzeln eines Baums. Unser Verhalten, unser Denken und Handeln sollte so flexibel wie möglich sein.

Wie funktioniert nachhaltige Veränderung? Wie geht diese vonstatten?

Auch wenn jede Veränderung sehr individuell ist, gibt es immer drei große Säulen, die bei jeder erfolgreichen und vor allem bei nachhaltigen Veränderungen gegeben sind. Es geht immer los mit einer echten, kraftvollen Entscheidung: "Ich führe jetzt eine Veränderung durch. Ich verändere jetzt etwas in meinem Alltagsablauf, in meinem täglichen Handeln."
Und mit Entscheidung meine ich auch wirklich eine echte Entscheidung, keine dieser klassischen Absichtserklärungen wie "man müsste mal…" oder "man sollte…" sondern wirklich: Ich mache das jetzt.
Und wenn ich mich entscheide, dann eben auch mit allen Konsequenzen, die dazu gehören. Ich commite mich allem, was danach kommt. Das ist wichtig, denn sobald man loslegt und etwas verändert, kommen auch Rückschläge. Man muss mit Fehlern umgehen, man muss Kurskorrekturen vornehmen und dann ist es ganz einfach wichtig, dass man zu dieser Entscheidung steht, egal, was da kommt.
Punkt zwei ist, man muss immer ein Ziel haben. Wohin bewegen wir uns? Wohin wollen wir uns verändern? Ganz, ganz viele Menschen wissen, was sie alles nicht mehr wollen und wovon sie wegwollen. Es ist wichtig, dass man weiß, wohin man sich bewegt. Je klarer dieses Ziel ist, desto besser kann man die einzelnen Schritte auf dem Weg dahin planen.
Die dritte Säule ist die Entscheidende, das sind nachhaltige, tägliche Gewohnheiten. Weil bei ganz vielen Veränderungen, gerade wenn sie scheitern, ist es so, dass die Menschen mit so einer gewissen Grundmotivation loslegen. Am Anfang sind sie dann auch Feuer und Flamme und mit Begeisterung dabei, aber so nach ein, zwei Wochen kommt dann der alte Schlendrian rein. Man kommt in die Routinen zurück. Dann fängt man ganz langsam an, die ersten Ausnahmen zu machen und ehe man sich versieht, ist man wieder im alten Trott. Deswegen ist es so wichtig, nachhaltige Gewohnheiten zu schaffen. Lieber jeden Tag kleine Dinge zu verändern. Vielleicht nur zehn Minuten an einer Veränderung zu arbeiten als eine ganz große Geschichte zu machen. Studien sagen, dass es ungefähr 66 Tage braucht, um eine Gewohnheit neu zu etablieren. Dann ist dieses neue Verhalten, die neue Denkweise zu einem Automatismus geworden, über den man nicht sonderlich nachdenkt. So ist ein Ergebnis dann auch nachhaltig.

Was ist mit dem Leitsatz "Veränderung ist nicht das, was um uns herum passiert, sondern die Art und Weise wie wir damit umgehen" genau gemeint?

Ich habe es vorhin schon kurz erwähnt. Es wird immer komplexer, es wird immer unsicherer und die Rahmenbedingungen, die sich immer schneller verändern, können wir nicht beeinflussen. Das spielt auch gar keine Rolle, denn es ist, wie es ist. Es wird in der Zukunft wahrscheinlich noch intensiver werden, aber wir können immer darüber entscheiden, wie wir damit umgehen. Ob wir eher reaktiv sind, ob wir aktiv sind. Das ist der große Erfolgsfaktor. Je besser wir in der Lage sind, damit umzugehen, desto erfolgreicher werden wir sein. Dadurch spielen sich Veränderungen vor allem bei uns im Kopf ab. Es ist eher so eine Art Mindset, wie ich damit umgehe, als dass es tatsächlich die aktuellen Ereignisse sind.
In jeder Krise gibt es Leute, die als große Gewinner daraus hervor gehen. Es gibt in jeder Boomphase auch Unternehmen, die pleitegehen. Es gibt Menschen, die arbeitslos werden. Das heißt, wir haben es immer in der Hand, wie wir mit diesen komplexen Rahmenbedingungen umgehen. Das meine ich mit dem Satz.

Warum sind es in Ihrem Buch gerade 77 1/7 Impulse?

Zum einen bin ich ein bisschen fasziniert von der Zahl 7. Es ist eine besondere, mystische Zahl. Es gibt sieben Zwerge, James Bond ist 007 und es gibt sieben Todsünden. Die sieben taucht überall auf. Wenn Sie im Casino sind und drei Mal die sieben am einarmigen Banditen haben, dann haben Sie den Jackpot.
Ich habe mich gefragt: "Wie kann man daraus etwas spannendes für ein Buch machen?" Und habe damals 77 Kapitel selber geschrieben und dieses fehlende Stück, mit dem das Siebtel vollmacht, ist eben das, was der Leser selbst reinbringen muss. Darauf kommt es im Leben auch an. Veränderung oder Erfolg funktioniert nur dann, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und ihren eigenen Weg gehen. Meine Philosophie als Autor oder auch als Redner in Unternehmen oder auf Veranstaltungen ist, den Menschen Impulse zu geben. Ich versuche, sie für meine Idee zu begeistern und zeige manchmal auch konkrete Wege auf. Das Entscheidende ist, dass man seinen individuellen Weg geht und seine eigene Persönlichkeit einbringt, denn das ist es, was das Leben so speziell macht. Es gibt keine Blaupause, die man einfach nur kopieren kann.
Deswegen fehlt etwas zur 777 und das Fehlende ist der Input des Lesers oder desjenigen, der es anwendet.

Über den Interviewpartner:
Ilja Grzeskowitz (Berlin, geb. 1975) ist Veränderungsexperte, Autor mehrerer Bestseller und international gefragter Keynote Speaker. Der ehemalige Top Manager im Einzelhandel war Lehrbeauftragter an der Berlin School of Law and Economics und der SRH Hochschule und arbeitet als Trendscout permanent an innovativen und praxistauglichen Change Konzepten. Von seinen Kunden und den Medien liebevoll "Mr. Change" genannt, inspiriert er Menschen, die richtige Motivation zur Veränderung zu entwickeln. Seine große Mission ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, in disruptiven Märkten eine Kultur der Veränderung zu etablieren, die von persönlicher Verantwortung, Flexibilität und Mut zu neuen Wegen geprägt ist. Als international gefragter Redner und Keynote Speaker hat Ilja bereits in neun Ländern auf drei Kontinenten gesprochen und gilt als "Germany´s #1 Change Expert" (C-Suite Radio). Zu seinen Kunden gehören große Marken wie Audi, Bayer, BMW, Daimler, Lufthansa, Nespresso, RWE, Telekom und Zalando genau so wie zahlreiche mittelständische Unternehmen. Ilja ist nordisch by nature und lebt mit seiner Familie seit vielen Jahren in seiner Wahlheimat Berlin. Er hat zwei wunderbare Töchter, spielt leidenschaftlich gerne Golf und ist Liebhaber von Single Malt Whiskys.

In seinem neuen Buch Let's talk about change, Baby! gibt Ilja Grzeskowitz seinen Lesern 77 1/7 Impulse, damit sie die Change-Mentalität leben können.

Tags: Karriere + Karrieretipps + Interview + Erfolg