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Drei große Schnitzer in Vorstellungsgesprächen

Du solltest sie vermeiden, wenn du dir nicht selbst ein Bein stellen möchtest
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Ein Vorstellungsgespräch ist meistens kein Zuckerschlecken. Es ist eher wie die Vorbereitung darauf. Um die leckere Schokoladentorte zu schlemmen, musst du sie zuerst backen und das kann manchmal eine kleine Schweinerei und sehr nervenaufreibend sein. Klar, nicht allen missfällt der Akt des Backens an sich, aufs Schlemmen freut sich definitiv aber jeder. Weil das Endprodukt aber von der Zubereitung abhängt, ist es verständlich, wenn du etwas aufgeregt oder nervös bist. Wird die Torte auch allen schmecken? Schließlich hast du dir viel Mühe gegeben. Aber ob Mühe allein reicht? Selbst wenn du weißt, dass du eigentlich tolle Arbeit geleistet hast, bleibt manchmal die kleine, gemeine Frage im Hinterkopf hängen, ob du nicht doch an einer bestimmten Stelle gepatzt hast.

Und wie so häufig sind wir selbst auch gleichzeitig unser größter Kritiker, was die Sache nicht besser macht. Da wir auf ein Ziel hinarbeiten, achten wir besonders auf den Prozess – doch wenn wir darüber reflektieren, neigen wir auch dazu, eine gute Antwort als in Ordnung und eine okaye Antwort als "Das war wohl nix" einzuordnen. Wenn du zu den Leuten gehörst, die regelmäßig aus einem Vorstellungsgespräch mit dem Gefühl gehen, so ziemlich gerockt zu haben, kannst du dich freuen, aber die meisten stellen sich eher die Frage, ob sie nicht doch an einem Moment eine dilettantische Antwort geben und damit die Möglichkeit einer Anstellung gemindert haben. Das ist normal und auch die Personaler wissen häufig, wie sich die Situation auf der anderen Seite anfühlt und werden dir nicht gleich, wenn du für einen kurzen Augenblick mal nicht brilliert hast, einen Strick daraus drehen und dich von der Liste potenzieller Kandidaten streichen.

Aber natürlich gibt es Antworten, mit denen du so richtig tief ins Fettnäpfchen treten kannst und die deine Chancen auf einen Schlag kräftig verringern – oder gar ganz determinieren. Zwar möchtest du den Personalern in Erinnerung bleiben, aber wahrscheinlich nicht durch eine bemerkenswerte schlimme Antwort. Deswegen nennen wir dir einige Antworten, mit denen du einiges falsch machen kannst. Solltest du dich darin wiedererkennen, ist es kein Weltuntergang, schließlich lernen wir alle aus Fehlern – du solltest es aber so schnell wie möglich ändern!

1. Du behauptest, noch nie etwas falsch gemacht zu haben

Es muss nicht unbedingt eine Lüge sein, denn du kannst selbstverständlich der Überzeugung sein, noch nie in deinem Leben etwas falsch gemacht zu haben. Aber es zeugt nicht unbedingt davon, dass du ein hohes Maß an Selbstreflektion besitzt. Denk nur an deine frühesten Kindheitstage. Hast du seit der ersten Klasse jedes Diktat mit einer 1+ abgeschlossen? Ohne auch nur einen einzigen Rechtschreibfehler gehabt oder ein Komma falsch gesetzt zu haben? Hast du nie ein Puzzlestück falsch gesetzt? Oder dich nie bei einer Aussage geirrt? Es stimmt, wenn du jetzt einwenden wolltest, dass „Ich habe in der ersten Klasse ein Wort falsch geschrieben und im Kindergarten habe ich zwei Anläufe für ein Puzzle gebraucht“ sicherlich keine gute Antwort sei auf die beliebte Frage danach, was ein großer Fehler in deiner Karriere war. Aber du weißt bestimmt, worauf ich hinausmöchte: Du hast, wie wir alle, schon im frühsten Kindesalter Fehler gemacht und damit auch später während deiner Abiturphase und während deines Studiums nicht aufgehört. Ein kurzer Spoiler für dein weiteres Leben: Auch danach wirst du damit nicht aufhören und das ist auch gut!

Wenn auf die Frage nach einem Misserfolg deinerseits ein längeres Schweigen entsteht, weil dir nichts einfällt, ist das allein schon unangenehm, richtig unangenehm wird es, wenn dir einer deiner Gesprächspartner noch auf die Sprünge helfen will, ob es da wirklich nichts gibt – keine verpasste Deadline, keine schlechte Hausarbeit, kein Projekt, das in den Sand gesetzt wurde – und du, nun ja, einfach nur verneinst, weil es einen solchen Moment für dich nie gab.

Das lässt zwei Möglichkeiten zu und beide sind nicht so gut für dich: Die erste – und unwahrscheinlichere – du hast wirklich noch nie einen Fehler gemacht, zumindest keinen, der über falsche Zeichensetzung in der Grundschule hinausgeht. Was erst einmal ganz gut klingt, ist für ein Unternehmen jedoch die Katze im Sack, da niemand weiß, wie du reagieren wirst, wenn es dann doch einmal so weit ist. Die wahrscheinlichere Variante: Du hast deine Fehler und Misserfolge wie jeder andere Normalsterbliche auch, nur fehlt es dir an Selbstreflektion oder Selbstbewusstsein, dazu zu stehen.

2. Du sagst etwas Unangebrachtes

Abends in der Kneipe, der Arbeitstag oder die Seminare an der Uni waren durchwachsen, das erste Bier hast du bereits hinter dir und das Fußballspiel, das übertragen wird, läuft nicht ganz so, wie du es dir vorstellst – eine solches Setting ist dafür prädestiniert, dass der eine oder andere Fluch oder nicht so nette Spruch fällt. Unter Freunden, die wissen, wie etwas gemeint ist und wann du ironisch bist, ist das kein Problem. Anders sieht es aus, wenn Leute dich noch nicht so gut kennen. Kommunikation ist ein einziger Versuch, sich nicht misszuverstehen, der häufig genug schiefgeht. Und die Missverständnisse steigen exponentiell zur Unbekanntheit des Gesprächspartners. Oder um es nicht so mathematisch zu sagen: Je weniger du jemanden kennst, desto eher besteht die Gefahr, dass dieser dich falschversteht. Deswegen wird dir häufig geraten, nichts auf Facebook und Co. zu posten, was du nicht auch gegenüber deiner Mutter oder deiner Chefin äußern würdest. Wegen wenig durchdachter Social-Media-Posts wurde Menschen schon gekündigt.

Das gilt natürlich auch für Vorstellungsgespräche. Du sollst dich natürlich nicht verstellen und eine ganz andere Person werden, aber dir doch vergegenwärtigen, dass du dich in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich verhältst. Schließlich sprichst du mit deinen Großeltern ja auch nicht wie mit deinen Freunden. Also, mögen deine Freunde dich noch so sehr für deine beißende Ironie feiern – sofern du dich nicht als Schreiber einer scharfzüngigen Kolumne bewirbst, ist es nicht so sehr angebracht, sie ungebändigt von der Leine zu lassen. Wenn jedes fünfte Wort, das du mit deinen Kumpels wechselst, ein Schimpfwort ist, sollltest du diese während des Vorstellungsgespräches durch andere ersetzen. Und obwohl es generell nie den richtigen Moment gibt, andere Bevölkerungsgruppen herabzuwürdigen, ist ein Vorstellungsgespräch einer der am wenigsten geeignetsten dafür – auch nicht, wenn du es ironisch meinst. Denn, wie im vorigen Absatz erläutert, du musst damit rechnen, dass deinem Gegenüber die Ironie entgeht.

Du musst nicht einmal einen der Personaler persönlich damit treffen – viele Unternehmen sind auf ihre Außendarstellung bedacht und wünschen sich Mitarbeiter, die sie nach außen hin zumindest nicht negativ vertreten. Du musst dich nicht verbiegen, es geht vielmehr darum zu erkennen, dass es Situationen gibt, in denen ein bestimmtes Verhalten angemessen ist und in anderen nicht.

3. Du gibst zu verstehen, du seist der König der Welt

Sicher, ein Vorstellungsgespräch ist keine Situation, in der dein Leisetreten gefragt ist. Es gilt, das Unternehmen von dir zu überzeugen und deine Fähigkeiten und dein Können herauszustellen. Das ist nicht immer leicht, weil der Grat zwischen selbstbewusst und arrogant sehr schmal ist und du auch nicht als Besserwisser rüberkommen möchtest. Es gilt also aufzupassen, wo du hintrittst. Deine Stärken und deine Fähigkeiten zu präsentieren ist die eine Sache, den Personalern zu verstehen zu geben, dass du im Prinzip jetzt schon weißt, wie der Laden richtig zu schmeißen ist und du den Job schon in der Tasche hast, die andere.

Ebenso nicht ratsam: Dich darzustellen, indem du andere Menschen runtermachst. Deine Stärken strahlen nicht heller, wenn du die Schwächen anderer betonst, ob diese nun vermeintlich oder real vorhanden sind. Das ist an sich schon kein feiner Zug, noch eine Spur unkultivierter und gehässiger wird es, wenn diese Person noch dazu beigetragen hat, dich dorthin zu bringen, wo du bist, z.B. ein Professor, der dich besonders gefördert hat, oder eine Kommilitonin, der den Kontakt zu der Firma und damit auch das Vorstellungsgespräch zu verdanken hast.
Du willst es dem Unternehmen unmöglich machen, dich nicht einzustellen, aber das zeigst du nicht, indem du dich wie der König der Welt benimmst, sondern deine Talente und Vorzüge überzeugend herausarbeitest – dazu gehören eben nicht nur fachliches Können, sondern auch zwischenmenschliches Verhalten und die Fähigkeit zu Selbstreflektion.


Wenn du dich in einer der Fragen wiedererkennst, solltest du auf jeden Fall daran feilen und deine Strategie überarbeiten, damit du schon bald erfolgreicher in Vorstellungsgespräche gehst. Wenn keiner der Punkte auf dich zutrifft: Glückwunsch, wahrscheinlich laufen deine bereits Vorstellungsgespräche besser als du denkst.

Tags: Vorstellungsgespräch + Jobsuche + Karrieretipps + Erfolg