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Vier Schritte, um beim Vorstellungsgespräch die Frage nach deinen Misserfolgen zu beantworten

Keine Sorge, die Frage klingt gemeiner, als sie eigentlich ist
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Du sitzt in einem Vorstellungsgespräch und alles läuft gut. Du hast richtig Lust auf den Job und auch deine Gesprächspartner sind von dir überzeugt, denn du hast dich top vorbereitet und wirkst überzeugend. Du glänzt mit deinen Stärken und passt von deinen Fähigkeiten und auch von deinem Charakter her gut in das Unternehmen. Du meisterst die Hürden galant und souverän. Doch manchmal schneidet eine der Personen, denen du gegenübersitzt, dieses eine Thema an, das viele ins Straucheln kommen lässt: "Erzählen Sie uns doch einmal von einem Ihrer Misserfolge." Ebenso wie die Frage nach den eigenen Schwächen empfinden viele dieses Thema als schwierig, manche auch als gemein. Dabei ist der Gedanke hinter dieser Frage alles andere als gemein, denn auch sie dient letztlich nur dazu, dich besser kennenzulernen und ein klareres Bild von dir zu bekommen.

Aber natürlich ist sie weniger leicht für dich zu beantworten als beispielsweise die Fragen nach deinen Stärken oder deiner bisherigen Laufbahn, denn du musst noch ein bisschen mehr darauf achten, was du darauf erwiderst. Du möchtest dich in einem besonders guten Licht darstellen und Fehler haben die Tendenz, diesem Anliegen entgegenzuarbeiten. Es ist also nicht so klug, einfach von deinem verpatzten Projekt während des Studiums oder deines Praktikums zu erzählen und wie unrettbar du es in den Sand gesetzt hast. Aber die Antwort, es gebe in deinem Leben schlichtweg keinerlei Misserfolge, wird die Personaler ebenfalls nicht beeindrucken, eher im Gegenteil, denn ob bewusst oder unbewusst, diese Aussage entspricht nicht der Wahrheit. Kein Mensch ist frei von Fehlern, Schwächen und Misserfolgen. Das wissen auch deine Gegenüber, was dir die Sache etwas leichter macht für dich. Du solltest also nicht versuchen, auf Biegen und Brechen deine Fehlbarkeit zu verheimlichen. Du kannst zu deinen Fehlern stehen – wichtig ist nur, wie du mit ihnen umgehst.

Sieh die Frage also als kleine Herausforderung an, nicht als eine Plage. Es gibt keinen Grund, dich beunruhigen oder fahrig machen zu lassen. Atme kurz durch und bleib so gelassen und cool, wie du bis hierhin warst und sag etwas wie: "Das ist eine spannende Frage, darüber muss ich zwei, drei Sekunden nachdenken", nehme dir diese zwei, drei Sekunden und befolge dann unsere vier Schritte, die dir dabei helfen, auch diese Hürde zu überwinden.

1. Suche dir einen richtigen Fehler

Such dir einen guten Fehler aus. Auch wenn du vielleicht nicht unbedingt davon erzählen solltest, wie du ein erfolgreiches Großunternehmen innerhalb weniger Monate in den totalen Ruin getrieben hast, solltest du schon einen richtigen Fehler wählen. Dass du in der sechsten Klasse für einen Vokabeltest nicht ausreichend gelernt hast und deswegen um einen Punkt an der vollen Punktzahl vorbeigeschrammt bist, zählt offensichtlich nicht dazu, denn wenn das dein schlimmster Misserfolg wäre, handelte es sich dabei lediglich um ein kleines Staubkörnchen auf deiner strahlenden Perfektion. Wenn ein Bezug zu deiner vorigen Arbeit bzw. deinem Studium gefordert ist, geh auf jeden Fall darauf ein. Und noch ein wichtiger Tipp: Such dir ein Beispiel aus, an dem du beteiligt warst und bei dem etwas schiefgelaufen ist – aber lass die Finger von denen, bei denen wirklich, wirklich alles in die Hose gegangen ist, was in die Hose gehen kann. Ehrlichkeit ist zwar löblich, bedeutet aber nicht, bis in die tiefsten Abgründe deiner Seele zu tauchen und den guten Eindruck vollkommen zunichtezumachen, den du bisher gemacht hast.

2. Definiere Misserfolg für dich und deine Gesprächspartner

Zwischen dem "verhauenen" Vokabeltest und dem im Zeitraffer heruntergewirtschafteten Unternehmen gibt es eine große Bandbreite. Du musst dich also nicht für die absolute Totalkatastrophe entscheiden. Jeder hat seine eigene Definition von Misserfolgen – nutze das und erläutere, wieso du die geschilderte Situation als Fehler empfindest. Durch die eigene Definition bringst du den Misserfolg von der objektiven auf die subjektive Ebene, was ihm das Absolute nimmt. Es ist nun ganz allein für dich ein Misserfolg und kein allgemeingültiges. Ein Beispiel wäre etwa: "Ein Fehler ist für mich mehr als nur eines meiner Ziele nicht zu erreichen. Für mich ist es bereits eine Form des Scheiterns, wenn ich mein Ziel nicht unter den anvisierten Anforderungen erreiche, z.B. wenn ich länger für es brauche als gedacht. Das ist es, was für mich einen Fehler definiert."

3. Erzähle deine Geschichte

Nachdem du nun deine eigene Definition von einem Fehler eingeführt hast, kannst du nun zu deinem eigentlichen Beispiel kommen. Achte beim Erzählen deiner Geschichte aber darauf, wie du sie erzählst. So spannend es auch sein mag, wie es zu der Situation kam, versuch dich kurz zu halten und statt einer längeren, atmosphärischen Einleitung gleich auf den Punkt zu kommen. Wichtig ist, neben dem Fehler selbst, natürlich auch der Umgang mit ihm, das ist es, was die Personaler interessiert. Hast du den Kopf in den Sand gesteckt oder hast du nach Lösungswegen gesucht? Hast du dich davon aus der Bahn werfen lassen oder hast du die Situation angenommen?

Fass dich kurz, wie es zu dem Fehler gekommen ist und erläutere, was du versuchst hast, um ihn zu beheben. Du musst nicht unbedingt erfolgreich dabei gewesen sein, immerhin geht es hier um Misserfolge, also tisch deinen Zuhörern keine Geschichte davon auf, wie du die Situation mit Bravour gelöst und im Endeffekt sogar noch zum Besseren gewendet hast, wenn es nicht der Fall ist. Es ist normal, dass nicht immer alles wie geplant läuft.

4. Die Lektion

Wichtiger als der (behobene) Fehler ist dein Umgang damit und ob bzw. was du aus ihm gelernt hast. Damit kommst du zum guten Teil der Geschichte, an dem du nochmal richtig punkten kannst, nämlich der Lektion und der Erfahrung, die du aus der Sache mitnehmen konntest. Hier kannst du gleich zeigen, dass du eine reflektierte und lernfähige Person bist: Sprich darüber, wie es zum Fehler gekommen ist, was du im Nachhinein anders machen würdest und wie du zukünftig in solchen Situation handeln würdest.

Selbst wenn du dich auf die Frage vorbereitet hast, ist es häufig schwierig, über eigene Fehler zu reden, besonders dann, wenn daran noch ein möglicher Job hängt. Viele Leute werden von der Frage auf kaltem Fuße erwischt, du hast also einen Vorteil, wenn du dich bereits mit ihr auseinandergesetzt hast. Wenn du die Geschichte deines Misserfolgs zwischen dem Ausmachen des Fehlers und dem Lerneffekt, den du daraus gezogen hast, einbettest, hast du schon mal eine starke Antwort auf die Frage.

Tags: Vorstellungsgespräch + Erfolg + Karrieretipps + Jobsuche