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Kann man ein Startup neben dem Beruf gründen?

Bestsellerautor Felix Plötz im Interview
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Was genau ist ein 4-Stunden-Startup?

Ein 4-Stunden-Startup ist ein unternehmerisches Nebenprojekt, das man neben dem normalen Job umsetzt oder neben dem Studium. Das kann vom Zeitaufwand her deutlich geringer sein kann als ein reguläres Startup, weil es ein zweites Standbein sein kann. Er erwächst ganz häufig aus einem Hobby, bei dem man dann merkt "Oh, damit kann ich aber Geld verdienen!"
Es in den seltensten Fällen das nächste Facebook oder Zalando. Aber es kann auch durchaus ein großes, richtig erfolgreiches "echtes" Unternehmen mit vielen Mitarbeitern werden. Ein 4-Stunden-Startup ist ein Projekt, das man groß denkt, aber klein anfängt.

Der Name 4-Stunden-Startup bezieht sich dabei auf den wöchentlichen Workload, richtig?

Im Prinzip ja, aber es gibt keine Festlegung. Es hat ganz, ganz viel damit zu tun, wie ich persönlich mein Startup führen möchte. Es ist völlig klar, dass ein Startup, mit dem ich mich jeden Tag vier Stunden beschäftige, schneller voran kommt als wenn ich mich vier Stunden in der Woche damit beschäftige. 4-Stunden-Startups haben, und das zeigt die Erfahrung und auch die Beispiele, die ich im Buch gebe, einen ganz, ganz großen Freiheitsanteil. Das heißt, ich kann mir selbst überlegen, was ich damit machen möchte und es gibt ganz, ganz viele Ideen, die als 4-Stunden-Startups funktionieren, wo ich selbst bestimmen kann, wie viel Zeit ich da investiere. Alle haben gemeinsam, dass sie tatsächlich nebenher funktionieren, also insgesamt weniger Workload haben als ein mit Venture Capital ausgestattetes super duper Startup.

Bei 4-Stunden-Startups geht es also nicht nur um finanziellen Mehrwert sondern auch um die Erfüllung einer Leidenschaft?

Genau. Sehr viele 4-Stunden Startups sind, wie gesagt, aus Hobbies erwachsen und haben mit den Talenten und Träumen der jeweiligen Gründer zu tun. Man kann sicherlich auch neben dem Job einen Copyshop betreiben, aber nur wenige Leute haben den Traum, Copyshopbesitzer zu sein. Diese 4-Stunden-Startups haben natürlich den Vorteil, dass man sich nebenbei eine gewisse finanzielle Freiheit schafft, aber eben auch den Aspekt der Selbstverwirklichung. Kann ich meine ganzen Talente im normalen Job ausleben? Bietet mir der Job diese Möglichkeit? Und falls nicht, hat man eben die Möglichkeit, das nebenbei zu machen.
Um ein Bild zu zeichnen: Jemand, der in Castrop-Rauxel im Finanzamt sitzt und sich den ganzen Tag nur mit Akten beschäftigt, hat wahrscheinlich noch ganz andere Fähigkeiten, die er niemals im Job ausleben kann. Das sind meistens die Leute, die nebenher ganz verrückte, coole Sachen machen. Also eine Geschichte aus dem ersten Buch, das ich geschrieben habe, Palmen in Castrop-Rauxel, handelt zum Beispiel von einer Chemielaborantin, die in einem Ingenieurbüro gearbeitet hat. Sie hatte den Wunsch und den inneren Antrieb, mit ihrem Freund etwas zusammen zu machen. Sie war sehr mutig und hat entsprechend eine bunte und kuriose Idee an den Start gebracht. Sie hat sich mit ihrem Freund selbstständig gemacht, mit der Idee hochwertiges Sexspielzeug zu entwerfen. Das hat sie dann als 4-Stunden-Startup angefangen bis es zu dem Punkt kam, an dem sie sehr erfolgreich war und sie den Sprung gewagt hat, sich komplett selbstständig zu machen. Diese Firma gibt es und ist höchst erfolgreich. Die machen Sexspielzeug in Gemüse- und Obstform.

Denken Sie, dass ein 4-Stunden-Startup gerade interessant ist für Studierende und Absolventen?

Als Student hat man, ohne es selbst zu wissen, so viel Zeit in seinem Leben wie nie mehr danach. Man ist also in der komfortablen Lage, etwas zu haben, was man später nicht mehr hat, nämlich die Ressource Zeit. Man kann während des Studiums viel ausprobieren, ohne dass es irgendwen richtig interessiert.
Eine andere Geschichte aus einem meiner Bücher handelt zum Beispiel von drei Studenten, die die erste Mitfahrzentrale für große Busse gründen wollten. Das haben sie eben auch nebenbei als 4-Stunden-Startup gemacht. Aus diesem 4-Stunden-Startup ist dann eine richtig große Idee geworden. Diese drei Studenten haben dann gegen die Deutsche Bahn einen Prozess gewonnen. Das Ergebnis war, dass diese drei Jungs die Fernbusbranche in Deutschland, mit ADAC Postbus und Flixbus und wie sie alle heißen, eröffnet haben. Das heißt, man kann als Student auch ganz viel bewegen, wenn man eine Idee hat, auf die man wirklich Bock hat und sich mit der auch beschäftigt.

Ist die Idee der 4-Stunden-Startups denn auch für junge Berufsanfänger spannend?

Meine Erfahrung zeigt, dass man gerade als junger Berufsanfänger mit ganz viel Idealismus und Energie irgendwo anfängt und dann sehr oft in dieser Euphorie gebremst wird und dass man enttäuscht wird. Viele kommen nicht so voran, wie sie es gerne wollen. Ich erlebe es bei jedem Vortrag, dass mindestens ein, zwei Leute, die so Ende 20 sind, auf mich zukommen und sagen "Hey. Genau das habe ich auch erlebt. Ich habe mich so verstanden gefühlt. Ich bin nämlich seit einem Jahr in diesem Unternehmen und überlege schon wieder zu kündigen, weil ich eben nicht meine Talente und Fähigkeiten und das alles, was ich gerne umsetzen würde, hier umsetzen kann und ich nicht weiß, was ich machen soll."
Ich glaube, ganz viele junge Leute sind in der Lage, dass sie in einem Job sind, der sie nicht 100% glücklich macht. Genau für diese Personen ist es nicht der richtige Weg, zu kündigen und dann beim nächsten Arbeitgeber zu merken, dass es da wieder so ist. Dann wieder zu kündigen und so weiter und so fort. Für einen Bruchteil mag das der richtige Weg sein, für die Mehrheit der Leute, die ganz, ganz große Mehrheit der Leute, ist es aber der bessere Weg nicht zu kündigen, sondern etwas nebenbei zu machen, auf das sie richtig Bock haben. Mit anderen Worten, dass man diese "Selbstverwirklichung", was im Grunde nichts anderes bedeutet als seine Talente zu nutzen, selbst in die Hand nimmt.
Ich war selbst genau in dieser Situation. Ich habe Karriere in einem Konzern gemacht. Ich bin über ein Traineeprogramm eingestiegen und habe danach klassisch Karriere gemacht. Ich hab mich mit 27 gefragt, ob es überhaupt dahin führt, wo ich mich sehe. Ich saß im Großraumbüro und hab um mich herum meine Chefs gesehen. Und ich konnte sehr genau sehen "Das bist du in 5 Jahren und das bist du in 10 Jahren." Das konnte ich live und in Farbe vor mir sehen und ich habe mich gefragt, ob es überhaupt das ist, was ich möchte. Für mich hätte es die Situation nicht besser gemacht, von einem Konzern zum nächsten zu wechseln. Ich wollte mein eigenes Ding machen und es selbst in die Hand nehmen. So bin ich dann dazu gekommen, diese Idee, die für mich damals komplett verrückt wirkte, neben dem Vollzeitjob noch ein Startup aufzubauen. Diese Idee hat funktioniert und ich war auch nicht der Erste, der das gemacht hat. Es gibt jedes Jahr knapp eine halbe Million Leute, die sich neben dem Job selbstständig machen.

Lässt sich Ihrer Einschätzung nach die Gründung eines Startups besonders gut mit dem Berufseinstieg verbinden?

Also es lässt sich mit Sicherheit sehr, sehr gut mit dem Berufseinstieg verbinden, aber es lässt es sich auch mit jeder beruflichen Lebensphase sehr gut verbinden. Ich glaube, man hat zwei Vorteile, wenn man gerade aus dem Studium kommt. Der erste Vorteil ist der, dass man die Möglichkeit hat, schon als Student anzufangen. Das ist ein Vorteil, weil es eine Zusatzqualifikation ist. Wenn ich jemanden vor mir sitzen habe, der mir erzählt "Ach, ich hab eigentlich nie etwas Besonderes gemacht und immer nur mein Curriculum verfolgt.", ist diese Person wahrscheinlich weniger interessant für mich als jemand, der sagt "Ja, klar. Ich hab mein Studium toll abgeschlossen. Aber nebenbei habe ich auch eine kleine Company mit einem Freund gegründet und wir machen 300.000€ Umsatz im Jahr. Und ich kann das nebenher wuppen. Ich habe das im Studium nebenher gemacht und das mache ich auch jetzt nebenher."
Wenn ich mein eigenes Startup schon mitbringe, hat es auch den Vorteil, dass ich es meinem Chef nicht irgendwann mal sagen muss. Rechtlich, das wissen viele nicht, ist es völlig unbedenklich, nebenbei ein eigenes Startup zu gründen. Das Recht habe ich. Es ist allerdings eine mentale Hürde. Wenn man irgendwann nach drei, vier Jahren, so wie es bei mir der Fall war, seinem Chef sagen muss "Hör mal, ich hab Lust was anderes zu machen." Das ist ein bisschen so als würde man seiner Freundin sagen "Ich hab Lust noch eine zweite Freundin zu haben." Kommt nicht immer so richtig gut an.

Haben Sie besondere Tipps für Berufseinsteiger, die sich mit der Idee einer Startupgründung auseinandersetzen?

Ja, habe ich, sonst hätte ich das Buch ja nicht geschrieben. Das 4-Stunden-Startup ist eben genau das: Es zeigt auf, was andere umgesetzt haben; was die größten Hürden sind, welche Tools du brauchst und so weiter und so fort. Und letztlich auch der Ausblick, was wäre, wenn wir das alle tun würden? Eine sehr spannende Vision.
Deswegen ist es schwierig, 270 Seiten, die ihre Berechtigung haben, in wenige Tipps runterzubrechen. Ich würde aber sagen, das Wichtigste ist, dass man einfach anfängt. Es gibt ganz, ganz viele Leute, die sich in Traumwelten verabschieden und nur noch in "Ich würde ja so gerne irgendwann mal vielleicht…" leben. Der allererste und wichtigste Schritt ist vom "Ich würde ja so gerne“ zum wirklichen Machen. Man muss diesen Schritt machen, um zu handeln. Das ist der erste und wichtigste Schritt.



Über den Interviewpartner:

Felix Plötz *1983, ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und arbeitete in einem Großkonzern, als er parallel sein erstes Startup gründete, das er mittlerweile erfolgreich verkauft hat. Seine bisherigen Bücher erschienen im Selbstverlag und erreichten Bestseller #1-Status zu den Themen "Motivation" und "Selbstständigkeit" auf Amazon. Felix Plötz' aktuelles Buch "Das 4-Stunden-Startup" ist mehrfacher Bestseller (SPIEGEL-Bestseller Wirtschaft, Handelsblatt-Bestseller, Top-10 Hörbuch des Jahres 2016 (Audible), u.v.m). Sein 2015 gegründetes Verlags-Startup "Plötz & Betzholz" wurde im selben Jahr von der Frankfurter Buchmesse mit der "Wildcard" ausgezeichnet und legte kurz darauf bereits seinen ersten SPIEGEL-Bestseller vor. Im Februar 2016 wurde "Plötz & Betzholz" von der Ullstein Verlagsgruppe übernommen. Felix Plötz lebt als Autor, Unternehmer und Keynote-Speaker im Ruhrgebiet.

Tags: Interview + Studium + Traumjob + Arbeitsplatz

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